Die Tabaksteuer auf Shisha Tabak steigt am 1. März 2027 und danach jedes Jahr bis 2030, die Mindeststeuer fällt dabei nur halb so hoch aus wie im ursprünglichen Gesetzentwurf. Damit ist die neue Regelung beschlossen. Das Szenario einer 200g-Dose für 60€, das im Sommer durch die Medien ging, ist vom Tisch. Nach unserer Modellrechnung landet eine Dose, die heute 26,90€ kostet, 2030 bei rund 36€. Teurer wird Shisha Tabak trotzdem, und zwar jedes Jahr.
Als Shisha und Vape Shop sehen wir diese Entwicklung kritisch und sagen das hier offen. Unten stehen alle Stufen, echte Beispiele aus unserem Sortiment und unsere Einschätzung, welche Folgen das neue Gesetz für Shisha Raucher hat.
Wie hoch ist die Steuer auf Shisha Tabak 2026 und 2027?
Bis Ende Februar 2027 gelten die bisherigen Sätze, ab 1. März 2027 steigt die Shisha Tabak Steuer in vier Stufen. Shisha Tabak zahlt dabei die Steuer für Pfeifentabak plus eine Zusatzsteuer von 23€ pro kg. Diese Zusatzsteuer bleibt unverändert. Erhöht werden der feste Betrag pro Kilogramm, der Prozentsatz vom Kleinverkaufspreis und die Mindeststeuer.
| Zeitraum | fester Betrag pro kg | Anteil vom Kleinverkaufspreis | Mindeststeuer pro kg inkl. Zusatzsteuer | Mindeststeuer je 200g-Dose |
|---|---|---|---|---|
| bis 28.02.2027 | 15,66€ | 13,13% | 49,00€ | 9,80€ |
| 01.03.2027 | 21,11€ | 14,83% | 60,00€ | 12,00€ |
| 01.01.2028 | 26,39€ | 14,83% | 71,00€ | 14,20€ |
| 01.01.2029 | 32,99€ | 14,83% | 82,50€ | 16,50€ |
| 01.01.2030 | 41,23€ | 14,83% | 94,50€ | 18,90€ |
So rechnet der Zoll: Fester Betrag mal Gewicht, plus Prozentsatz vom Kleinverkaufspreis, plus Zusatzsteuer von 23€ pro kg. Liegt das Ergebnis unter der Mindeststeuer, wird die Mindeststeuer fällig. Bei einer 200g-Dose für 26,90€ sind das heute 11,26€ Tabaksteuer. Dazu kommen 4,29€ Mehrwertsteuer.
Die Zusatzsteuer gibt es seit 2022, und sie ist seitdem jedes Jahr gestiegen: von 15€ pro kg im Jahr 2022 über 19€ und 21€ auf 23€ seit 2026. Wer Shisha raucht, zahlt also schon seit Jahren eine Steuer, die es bei Pfeifentabak nicht gibt. Die neue Reform setzt auf diese Belastung noch einmal vier Stufen obendrauf.
Was hat sich gegenüber dem Gesetzentwurf geändert?
Die Mindeststeuer ist deutlich niedriger als geplant. Im Regierungsentwurf vom Sommer stand für 2030 eine Mindeststeuer von 188,46€ pro kg inklusive Zusatzsteuer, beschlossen wurden 94,50€. Der Finanzausschuss hat die Spitzenbelastung für Pfeifentabak und damit auch für Shisha Tabak kurz vor der Abstimmung zurückgenommen.
- 2027: 107,71€ im Entwurf, 60€ beschlossen
- 2028: 128,90€ im Entwurf, 71€ beschlossen
- 2029: 155,37€ im Entwurf, 82,50€ beschlossen
- 2030: 188,46€ im Entwurf, 94,50€ beschlossen
Auf der Mindeststeuer aus dem Entwurf beruhte die Schätzung von 60€ pro Dose: 188,46€ pro kg ergeben allein 37,69€ Steuer für 200g. Mit dem Beschluss ist diese Rechnung überholt, die Mindeststeuer 2030 liegt jetzt halb so hoch wie im Entwurf. Neu ist auch der Stichtag. Für Shisha Tabak und Pfeifentabak gilt die Erhöhung erst ab 1. März 2027, Liquids und Zigaretten werden schon zum 1. Januar teurer. Der Bundestag hat das Gesetz am 15. Oktober 2026 beschlossen, der Bundesrat hat am 16. Oktober zugestimmt.
Wie viel teurer wird eine 200g-Dose Shisha Tabak?
Im Modell steigt eine 200g-Dose, die heute 26,90€ kostet, bis 2030 auf rund 36€. Das ist gut ein Drittel mehr als heute. Der gesamte Aufschlag geht an den Staat: Hersteller und Handel erhalten im Modell jedes Jahr dieselben 11,34€ pro Dose, während Tabaksteuer und Mehrwertsteuer zusammen von 15,56€ auf 24,65€ steigen.
| Stufe | Preis der Dose | Tabaksteuer | Mehrwertsteuer | Anteil Staat am Preis |
|---|---|---|---|---|
| heute | 26,90€ | 11,26€ | 4,29€ | 57,8% |
| ab 01.03.2027 | ~29,15€ | 13,14€ | 4,65€ | 61,1% |
| 2028 | ~30,65€ | 14,43€ | 4,90€ | 63,0% |
| 2029 | ~33,15€ | 16,50€ | 5,29€ | 65,8% |
| 2030 | ~36,00€ | 18,90€ | 5,75€ | 68,5% |
So haben wir gerechnet: Hersteller und Handel behalten ihren heutigen Nettoerlös je Dose, die höhere Steuer wird vollständig weitergegeben. Davon geht auch die Bundesregierung in ihrer Gesetzesbegründung aus. Es ist eine Rechnung, keine Preisprognose, denn den Verkaufspreis legt der Hersteller fest.
Ab 2029 greift bei typischen Dosen die Mindeststeuer. Eine Dose für 27,90€ und eine für 29,90€ zahlen dann exakt dieselbe Tabaksteuer von 16,50€, im Jahr 2030 von 18,90€. Am stärksten steigen dadurch günstige Sorten, denn bei ihnen macht die feste Mindeststeuer den größten Teil des Preises aus.
Nach demselben Modell entwickeln sich drei unserer meistgekauften 200g-Dosen Shisha Tabak so:
| Dose 200g | Preis heute | ab 01.03.2027 | 2030 |
|---|---|---|---|
| Holster Ice Kaktuz | 27,90€ | ~30,15€ | ~36,85€ |
| OS African Queen | 29,90€ | ~32,20€ | ~38,50€ |
| Nameless #40 Black Nana | 29,90€ | ~32,20€ | ~38,50€ |
Warum kostet Shisha Tabak überall gleich viel?
Der Preis steht auf dem Steuerzeichen, und kein Händler darf ihn unterschreiten. Das regelt § 26 Tabaksteuergesetz. Der Hersteller legt beim Kauf der Steuerzeichen den Kleinverkaufspreis fest, danach ist er für jeden Shop und jede Shisha Bar verbindlich. Auch Zugaben sind verboten.
Deshalb wird Shisha Tabak am 1. März 2027 nicht schlagartig teurer. Dosen, die vorher mit dem alten Steuerzeichen versteuert wurden, werden zum alten Preis abverkauft. Erst neu versteuerte Ware trägt den höheren Satz und meist auch einen neuen Preis. Wie schnell das geht, hängt davon ab, wie viel Ware mit altem Steuerzeichen noch beim Hersteller und im Handel liegt.
Lohnt sich ein Vorrat vor dem 1. März 2027?
Ein Vorrat an Lieblingssorten kann sich lohnen, weil Dosen mit altem Steuerzeichen ihren alten Preis behalten. Der Schritt im März 2027 ist im Modell mit rund 2,25€ pro 26,90€-Dose allerdings moderat. Spürbar wird es erst ab 2028, wenn die Mindeststeuer greift und jedes Jahr weiter steigt.
Für den Eigenbedarf gibt es beim Kauf in Deutschland keine Mengengrenze. Geschlossene Dosen bleiben lange frisch, wenn Du sie kühl, trocken und ohne direkte Sonne lagerst. Angebrochene Dosen trocknen dagegen mit der Zeit aus. Plane deshalb so, dass Du jede geöffnete Dose zügig aufrauchst.
Gilt die neue Steuer schon vor März 2027?
Nein, in der Praxis nicht. Durch einen Fehler im Gesetz gilt dem Wortlaut nach zwar seit dem 21. Oktober 2026 der Regelsatz, der eigentlich erst ab 2030 greifen soll. Der Zoll wendet auf Anweisung des Finanzministeriums aber weiter die bisherigen Sätze an, für Shisha Tabak bis zum 28. Februar 2027.
Der Fehler steckt im Inkrafttreten: Das Gesetz trat am Tag nach der Verkündung in Kraft und nicht wie geplant zum Jahreswechsel. Korrigiert werden soll das über eine Änderung, die an das Finanzausgleichsgesetz angehängt wird. Der Bundesrat soll am 20. November 2026 darüber entscheiden. Bei Liquids hat dieselbe Panne mehr Verwirrung ausgelöst, die Details stehen in unserem Beitrag zur Liquidsteuer 2027.
Geht es um Gesundheitsschutz oder um das Haushaltsloch?
Genannt wird beides, im Vordergrund steht aber der Haushalt. Die Bundesregierung führt die Erhöhung in ihrer Gesetzesbegründung ausdrücklich als Maßnahme zur Haushaltskonsolidierung, der Gesundheitsschutz folgt als weiteres Ziel. Die Reform soll dem Bund 2027 rund 1,5 Milliarden Euro zusätzlich bringen, 2030 knapp 4,5 Milliarden Euro.
Wie das Verhältnis gemeint ist, hat der CSU-Bundestagsabgeordnete Heiko Hain in der Bundestagsdebatte zur Tabaksteuer im Oktober 2026 offen ausgesprochen: „Dass die Leute mit dem Rauchen aufhören, ist aus gesundheitlicher Sicht natürlich richtig, aber aus fiskalischer Sicht müssen wir hier ein Auge drauf haben.“ Der Satz verbreitete sich schnell in den sozialen Medien, die heute-show griff ihn auf.
Genau darin liegt der Widerspruch. Eine Steuer, die vor dem Rauchen schützen soll, wäre dann erfolgreich, wenn ihre Einnahmen sinken. Der Bund plant aber mit Mehreinnahmen, die bis 2030 jedes Jahr wachsen. Diese Rechnung geht nur auf, wenn weiter geraucht wird, nur eben teurer. Für uns stopft die Reform vor allem ein Haushaltsloch und trägt dabei das Etikett Gesundheitsschutz.
Welche Probleme bringt die Steuererhöhung für Shisha Tabak?
Aus unserer Sicht als Fachhändler geht die Erhöhung in die falsche Richtung, auch wenn sie milder ausfällt als geplant. Schon heute ist mehr als die Hälfte des Dosenpreises Steuer. Mit jeder Stufe wird der legale Markt unattraktiver, und die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, wohin das führt.
| Jahr | Versteuerter Wasserpfeifentabak | Was damals passiert ist |
|---|---|---|
| 2022 | 962,6t, davon 902,4t im 1. Halbjahr und 60,3t im 2. Halbjahr | Ab 1. Juli 2022 nur noch Packungen bis 25g erlaubt |
| 2023 | 727,7t | Abverkauf großer Dosen endet im Juni |
| 2024 | 1.274t (+75,1%) | 25g-Grenze zum 1. Juli 2024 aufgehoben |
| 2025 | 1.162t (-8,8%) | Zusatzsteuer steigt auf 21€ pro kg |
Die Zahlen des Statistischen Bundesamts sprechen eine deutliche Sprache. Nach Einführung der 25g-Regel brach die versteuerte Menge im zweiten Halbjahr 2022 um 93% ein. Ein Teil der Kunden wich nachweislich auf Pfeifentabak aus, der 2023 um 22,6% zulegte. Der Rest der Nachfrage verschwand aus der Statistik, und die Branche spricht von Abwanderung zu Ware ohne deutsches Steuerzeichen. Erst mit der Aufhebung der Regel kam der legale Markt zurück, 2024 stieg die versteuerte Menge um 75,1%.
- Die Mindeststeuer trifft die Falschen. Sie macht günstige Sorten überproportional teurer und trifft damit vor allem Einsteiger und Kunden mit kleinem Budget.
- Unversteuerter Tabak ist unkontrollierter Tabak. Bei Ware ohne Steuerzeichen weiß niemand, woher sie kommt, wie sie gelagert wurde und was wirklich drin ist.
- Der Schwarzmarkt bekommt Rückenwind. Der Bundesverband Wasserpfeifentabak warnt seit dem Entwurf vor genau dieser Abwanderung.
- Das Verfahren war hektisch. Der Stichtag wurde erst im Finanzausschuss eingefügt, danach trat das Gesetz durch einen Datumsfehler zu früh in Kraft.
Fair bleibt festzuhalten: Die beschlossene Fassung ist deutlich milder als der Entwurf. Das ist auch ein Ergebnis der Kritik von Branche und Kunden im Sommer. Beschlossen ist die Erhöhung trotzdem. Sie gilt ab 1. März 2027 und steigt bis 2030 jedes Jahr weiter.
Wie viel Shisha Tabak darf man nach Deutschland einführen?
Aus einem anderen EU-Land darfst Du Shisha Tabak für den Eigenbedarf mitbringen, als Richtmenge gilt laut Zoll 1kg Rauchtabak. Aus Ländern außerhalb der EU, etwa der Türkei, Ägypten oder den Emiraten, sind 250g im Reisegepäck abgabenfrei, ab 17 Jahren. Alles darüber musst Du beim Zoll anmelden und versteuern.
Die Richtmenge innerhalb der EU gilt nur, wenn Du den Tabak selbst transportierst und im Urlaubsland versteuert gekauft hast. Mehr als 1kg ist nicht automatisch verboten, der Zoll vermutet dann aber einen gewerblichen Zweck. Für Bestellungen aus dem Ausland gelten die Reisemengen nicht. Dort entsteht die deutsche Tabaksteuer, und Ware ohne deutsches Steuerzeichen kann der Zoll beanstanden. Im Zweifel lohnt eine kurze Nachfrage beim Zoll vor der Reise.
Was bedeutet die Erhöhung für Shisha Bars?
Shisha Bars zahlen dieselbe Steuer wie Privatkunden, denn sie fällt beim Einkauf des Tabaks an. Für eine Bar mit hohem Verbrauch summieren sich die Stufen bis 2030 zu einem deutlich höheren Wareneinsatz pro Kopf. Viele Bars dürften das über den Preis pro Shisha weitergeben.
Gibt es Alternativen zum klassischen Shisha Tabak?
Dry Base ist steuerlich günstiger, weil sie als Pfeifentabak gilt und keine Zusatzsteuer von 23€ pro kg zahlt. Als Wasserpfeifentabak zählt nach Zolltarif nur Tabak, der mit Glycerin gemischt ist. Die neuen Stufen für Pfeifentabak gelten ab März 2027 aber auch für Dry Base Tabak.
Tabakfreie Shisha Produkte wie Dampfsteine sind dagegen keine Steuerlücke. Das Tabaksteuergesetz zählt sie ausdrücklich zum Wasserpfeifentabak, sie zahlen also dieselbe Steuer inklusive Zusatzsteuer.
Weniger Tabak pro Session ist ein anderer Weg. Der elektrische Shisha Kopf ShishaX erhitzt den Tabak ohne Kohle, sein Keramik Pod fasst etwa 10g Tabak.
Was kommt außer der Steuer auf Shisha Tabak zu?
Parallel verhandelt die EU über die neue Tabakproduktrichtlinie, die auch die Ausnahme für aromatisierten Wasserpfeifentabak betrifft. Beschlossen ist dort nichts. Den Stand findest Du im Beitrag zum Aromaverbot für Shisha Tabak. Auch die EU-Tabaksteuerrichtlinie wird neu verhandelt. Das Finanzministerium hat angekündigt, das Tabaksteuergesetz nach einer Einigung erneut anzupassen.