Die Liquidsteuer steigt am 1. Januar 2027 von 0,32€ auf 0,38€ pro ml und bis 2030 schrittweise auf 0,44€, für Liquids mit und ohne Nikotin. Für eine 10ml-Flasche sind das 0,71€ mehr Steuer inklusive Mehrwertsteuer, bis 2030 kommen insgesamt 1,43€ dazu. Bundestag und Bundesrat haben die Erhöhung im Oktober beschlossen. Betroffen ist jedes Liquid für E-Zigaretten, von der Flasche aus unserem Sortiment an Liquids für E-Zigaretten bis zum vorbefüllten Pod.
Als Vape und Shisha Shop sehen wir diese Entwicklung kritisch, und das sagen wir hier offen. Zuerst kommen die Fakten zur Liquid Steuer und zur Gesetzespanne, danach unsere Einschätzung, welche Risiken die Erhöhung mit sich bringt.
Wie hoch ist die Liquidsteuer 2026 und 2027?
Die Liquidsteuer beträgt 2026 noch 0,32€ pro ml. Ab 1. Januar 2027 gilt ein Satz von 0,38€, danach steigt er jedes Jahr zum Jahresbeginn um 2 Cent, bis er 2030 bei 0,44€ ankommt. Der Bundestag hat das am 15. Oktober 2026 beschlossen, der Bundesrat hat einen Tag später zugestimmt.
| gültig ab | Steuer pro ml | Steuer je 10ml | Steuer je 10ml inkl. 19% MwSt. |
|---|---|---|---|
| 01.07.2022 (bis Ende 2023) | 0,16€ | 1,60€ | 1,90€ |
| 01.01.2024 | 0,20€ | 2,00€ | 2,38€ |
| 01.01.2025 | 0,26€ | 2,60€ | 3,09€ |
| 01.01.2026 | 0,32€ | 3,20€ | 3,81€ |
| 01.01.2027 | 0,38€ | 3,80€ | 4,52€ |
| 01.01.2028 | 0,40€ | 4,00€ | 4,76€ |
| 01.01.2029 | 0,42€ | 4,20€ | 5,00€ |
| 01.01.2030 | 0,44€ | 4,40€ | 5,24€ |
Seit der Einführung im Juli 2022 wächst der Satz damit bis 2030 auf das 2,75-Fache. Allein der Schritt 2027 beträgt 18,75%. Die Stufen bis 2026 stammen aus dem Tabaksteuermodernisierungsgesetz von 2021, die Stufen ab 2027 aus dem neuen Änderungsgesetz.
Besonders ärgerlich ist, wie der Satz zustande kam. Im Regierungsentwurf standen für 2027 noch 0,33€ pro ml, also ein Plus von gerade einem Cent. Der Finanzausschuss hat den Satz am 14. Oktober auf 0,38€ angehoben, einen Tag vor der Abstimmung im Bundestag. Für Dampfer fällt der erste Schritt damit sechsmal so hoch aus wie ursprünglich geplant.
Die Steuer für jede andere Menge rechnest Du selbst aus: Füllmenge in ml mal Steuersatz. Auf diesen Betrag kommen noch 19% Mehrwertsteuer, deshalb wirkt jeder Cent Tabaksteuer im Preis etwas stärker, als die Zahl in der Tabelle vermuten lässt.
Wie viel vom Liquidpreis ist Steuer?
Bei einer 10ml-Flasche Liquid zur üblichen UVP von 11,99€ sind ab 2027 37,7% des Preises Steuer, bis 2030 fast die Hälfte. Bei Pods und Einweg Vapes ist der Anteil kleiner, weil ihr Preis die Technik mitbezahlt. Das zeigt unser Aladin Index, für den wir die Preise aus unserem eigenen Sortiment ausgewertet haben.
| Format | UVP | Steuer inkl. MwSt. 2027 | Anteil an der UVP 2026 / 2027 / 2030 | Aladin-Preis (Median) | Anteil am Aladin-Preis 2027 |
|---|---|---|---|---|---|
| Liquid 10ml | 11,99€ | 4,52€ | 31,8% / 37,7% / 43,7% | 6,99€ | 64,7% |
| Elfbar Pods ELFA, 2x2ml | 11,99€ | 1,81€ | 12,7% / 15,1% / 17,5% | 7,99€ | 22,6% |
| Einweg Vape 2ml | 9,99€ | 0,90€ | 7,6% / 9,1% / 10,5% | 4,99€ | 18,1% |
Gerechnet haben wir so: Steuersatz mal Füllmenge mal 1,19, geteilt durch den Preis. Die UVP ist die Herstellerempfehlung, die auch im Aladin Shop ausgewiesen ist. Der Aladin-Preis ist der mittlere Startpreis der Produktlinien auf der ersten Seite unserer Kategorien Ende Oktober 2026. Gemessen wird der Anteil am heutigen Preis, eine Prognose ist das nicht.
Die Steuer ist ein fester Betrag pro Milliliter, unabhängig vom Verkaufspreis. Je niedriger der Verkaufspreis eines Liquids, desto größer wird deshalb der Steueranteil. Beim Aladin-Preis von 6,99€ für eine 10ml-Flasche gehen ab 2027 knapp zwei Drittel des Preises an den Staat. Für Preissenkungen bleibt immer weniger Spielraum, weil sich nur der Teil ohne Steuer senken lässt.
Bei Elfbar Pods fällt der Anteil niedriger aus, obwohl pro ml derselbe Satz gilt. Ein ELFA Pack mit zwei Pods enthält 4ml, der Preis bezahlt also vor allem die Pod-Technik.
Bei Einweg Vapes mit 2ml steckt im Preis zusätzlich ein komplettes Gerät mit Akku. Pro Liter gerechnet liegt Liquid aus der Flasche deshalb klar vorn. Zur UVP kostet ein Liter Liquid rund 40% eines Liters im Pod und etwa ein Viertel eines Liters in der Einweg Vape, und die Steuer vergrößert diesen Abstand in Euro noch.
Welche Liquids sind von der Steuer betroffen?
Betroffen sind alle Flüssigkeiten für E-Zigaretten, mit und ohne Nikotin. Im Tabaksteuergesetz heißen sie Substitute für Tabakwaren. Besteuert wird nach Füllmenge, der Nikotingehalt spielt keine Rolle. Ein nikotinfreies Liquid kostet also genauso viel Steuer wie eines mit 20mg/ml.
Das gilt auch für Shortfills und Nikotinshots. Basen und Aromen sind ebenfalls steuerpflichtig, sobald sie für E-Zigaretten bestimmt sind. Entscheidend ist die Zweckbestimmung, also wie ein Produkt aufgemacht ist und für welchen Zweck es verkauft wird. Im Vape-Fachhandel ist damit praktisch jede Komponente versteuert.
Selbstmischen spart deshalb keine Liquidsteuer. Bei Longfill Aromen wird zwar nur der Inhalt der Flasche versteuert. Ein Revoltage Classic mit 15ml Aroma trägt 2027 rund 6,78€ Steuer inklusive Mehrwertsteuer, obwohl daraus bis zu 120ml fertiges Liquid werden. Die Base und die Nikotinshots zum Auffüllen sind aber genauso versteuert. Auf das fertige Liquid gerechnet zahlst Du pro ml denselben Satz wie bei der Fertigflasche.
Mischen hat Vorteile beim Warenwert und bei der Auswahl an Geschmäckern, die Steuer bleibt gleich. Wie Longfill Aromen mit Base und Shots zusammenspielen, erklären wir im Bereich Liquid Aromen zum Mischen.
Sind Liquids bis Ende 2026 steuerfrei?
Nein, in der Praxis nicht. Durch einen Fehler im Gesetz fehlt für Liquids vom 21. Oktober bis 31. Dezember 2026 zwar formal ein Steuersatz. Der Zoll wendet auf Anweisung des Finanzministeriums aber weiter 0,32€ pro ml an, und bereits versteuerte Ware wird nicht erstattet. Liquids sind deshalb nicht steuerfrei.
Das Gesetz wurde am 20. Oktober im Bundesgesetzblatt verkündet (BGBl. 2026 I Nr. 309). Darin steht, dass es am Tag nach der Verkündung in Kraft tritt. Der Stichtag 1. Januar 2027 fehlt. Weil das neue Gesetz die alten Steuersätze ersetzt und für Liquids nur Sätze ab 2027 enthält, entstand für die letzten zehn Wochen des Jahres eine Lücke. Bei Zigaretten wirkt derselbe Fehler umgekehrt: Dort würde nach dem Wortlaut schon jetzt der Höchstsatz für 2030 gelten.
| Datum | Was passiert ist |
|---|---|
| 14.10.2026 | Finanzausschuss hebt den Liquid-Satz für 2027 von 0,33€ auf 0,38€ an |
| 15.10.2026 | Bundestag beschließt die Erhöhung |
| 16.10.2026 | Bundesrat stimmt zu |
| 20.10.2026 | Verkündung, Inkrafttreten am Folgetag und nicht am 1. Januar 2027 |
| 21.10.2026 | Finanzministerium spricht von einem technischen Fehler, der Zoll wendet die alten Sätze weiter an |
| 27.-28.10.2026 | Ministerium verzichtet auf eine formlose Berichtigung und plant eine Gesetzesänderung |
| 20.11.2026 (geplant) | Abschließende Beratung im Bundesrat, Verkündung der Korrektur noch im November |
Korrigiert werden soll der Fehler über das Finanzausgleichsgesetz, an das die Koalition eine Änderung des Tabaksteuergesetzes anhängt. Ursprünglich wollte das Ministerium den Text nur formlos berichtigen. Nach Angaben der Bundestagsverwaltung gab es dazu aber lediglich Vorgespräche, und das Ministerium entschied sich für den sichereren Weg über ein Gesetz. Ziel ist, dass die neuen Sätze wie geplant ab 1. Januar 2027 gelten.
Für Dich als Dampfer ändert die Panne nichts. Die Steuer entsteht beim Hersteller oder Importeur, sobald die Ware das Steuerlager verlässt, und wird über das Steuerzeichen auf der Verpackung bezahlt. Angebote mit angeblich steuerfreiem Liquid solltest Du mit Vorsicht lesen. Ware ohne gültiges deutsches Steuerzeichen ist nicht legal versteuert.
Ab wann wird Liquid im Handel teurer?
Liquid wird nach und nach teurer, ein harter Stichtag im Regal ist der 1. Januar nicht. Ware, die 2026 mit 0,32€ pro ml versteuert wurde, behält diesen Steueranteil auch nach dem Jahreswechsel. Erst neu versteuerte Ware trägt den Satz von 0,38€. Die Bundesregierung geht in ihrer Gesetzesbegründung davon aus, dass die Steuer vollständig an Verbraucher weitergegeben wird.
Das Steuerzeichen, oft auch Steuerbanderole genannt, ist der Nachweis, dass die Tabaksteuer bezahlt ist. Hersteller können Steuerzeichen mit dem neuen Satz bis Ende 2026 mit einer verkürzten Frist von fünf Wochen bestellen. Wie schnell eine Sorte umstellt, hängt davon ab, wie viel versteuerte Ware noch beim Hersteller und im Handel liegt. Gefragte Sorten mit hohem Umschlag erreichen den neuen Satz früher als Nischensorten.
Am stärksten spürst Du die Erhöhung beim Liquid aus der Flasche, weil dort der Steueranteil am höchsten ist. Pro ml bleibt die Flasche trotzdem preiswerter als ein vorbefüllter Pod. Mit nachfüllbaren Pod Systemen füllst Du genau dieses Liquid selbst nach.
In unseren Sparsets aus Liquid und Pods sind Flasche und Leerpods zusammengefasst.
Warum steigt die Liquidsteuer so stark?
Die Erhöhung ist vor allem eine Haushaltsmaßnahme. Das Finanzministerium führt die Anpassung der Tabaksteuer ausdrücklich als Konsolidierungsmaßnahme. Die gesamte Reform soll dem Bund 2027 rund 1,5 Milliarden Euro zusätzlich bringen, 2030 knapp 4,5 Milliarden Euro. Als weiteres Ziel nennt die Bundesregierung den Gesundheitsschutz.
Der Markt für Liquids wächst. 2025 wurden nach Zahlen des Statistischen Bundesamts 1,5 Millionen Liter versteuert, 18,2% mehr als im Vorjahr. Rechnerisch brachte die Liquidsteuer damit rund 390 Millionen Euro ein. Für den Bund ist das eine wachsende Einnahmequelle. Für Dampfer ist es eine Belastung, die bis 2030 jedes Jahr größer wird.
Welche Probleme bringt die höhere Liquidsteuer?
Aus unserer Sicht als Fachhändler geht die Erhöhung in die falsche Richtung. Sie verteuert ausgerechnet das Produkt, mit dem viele Raucher vom Tabak wegkommen wollen, und sie macht den Schwarzmarkt attraktiver. Hinzu kommt ein Gesetzgebungsverfahren, das bei Händlern wie Kunden Vertrauen gekostet hat. Diese Punkte machen uns die meisten Sorgen:
- Der Abstand zum Ausland wächst. Ab 2027 liegt die deutsche Liquidsteuer bei 0,38€ pro ml. Österreich besteuert Liquids erst seit April 2026 und deutlich niedriger, Frankreich gar nicht. Je größer der Abstand, desto lohnender werden Käufe über die Grenze und Ware ohne Steuerzeichen.
- Der Schwarzmarkt bekommt Rückenwind. Der Verband des eZigarettenhandels (VdeH) nennt die Erhöhung ein „Konjunkturprogramm für den Schwarzmarkt“.
- Unversteuerte Ware ist unkontrollierte Ware. Illegale Einweg Vapes und Liquids ohne deutsches Steuerzeichen halten oft auch die Regeln zur Füllmenge und zum Nikotingehalt nicht ein. Das Risiko trägt der Kunde.
- Beim Shisha Tabak hat sich das schon gezeigt. Als von Juli 2022 bis Juni 2024 nur 25g-Packungen erlaubt waren, brach die versteuerte Menge ein, und der illegale Handel wuchs.
- Nikotinfreie Liquids werden wie Tabak besteuert, obwohl sie weder Tabak noch Nikotin enthalten. Für viele Dampfer ist das schlicht nicht nachvollziehbar.
- Für Umsteiger sinkt der Anreiz. Beim Dampfen findet keine Verbrennung statt, und es entstehen deutlich weniger Schadstoffe als im Tabakrauch. Eine Steuer, die diesen Unterschied kaum noch abbildet, setzt das falsche Signal.
- Das Verfahren war hektisch. Der Satz wurde einen Tag vor der Abstimmung um 15% über den Entwurf gehoben, danach trat das Gesetz durch einen Datumsfehler zu früh in Kraft. Der Staatsrechtler Volker Boehme-Neßler sprach von einem „totalen Chaos“.
Beschlossen ist die Erhöhung trotzdem, und sie gilt ab 1. Januar 2027. Kurzfristig ändert Kritik daran nichts. Sie bleibt trotzdem wichtig, weil die Steuer jedes Jahr steigt und mit der neuen EU-Tabaksteuerrichtlinie die nächste Runde schon ansteht.
Ist die Liquidsteuer verfassungswidrig?
Entschieden ist das nicht, die Steuer gilt. Das Bundesverfassungsgericht hat eine Verfassungsbeschwerde von Dampfern und Herstellern gegen die Liquidsteuer im November 2024 nicht zur Entscheidung angenommen (Az. 1 BvR 1177/22). In der Sache hat Karlsruhe damit nicht geurteilt, weil die Beschwerde unzulässig war.
Die Richter bemängelten vor allem, dass die Kläger nicht zuerst vor die Finanzgerichte gezogen waren. Die Argumente zur Gleichbehandlung von Selbstmischern und Händlern hielten sie für nicht ausreichend begründet, ebenso die Argumente zur geringeren Schädlichkeit des Dampfens. Gleichzeitig betonte das Gericht, dass der Gesetzgeber bei Steuern, die Verhalten lenken sollen, großen Spielraum hat. Eine neue Klage müsste also den Weg über die Finanzgerichte gehen.
Wie hoch ist die Liquidsteuer in anderen EU-Ländern?
Deutschland liegt mit 0,38€ pro ml ab 2027 deutlich über den Nachbarländern Frankreich und Österreich. Frankreich hat seine geplante Liquidsteuer im Haushalt 2026 gestrichen. Österreich besteuert Liquids seit April 2026 und erhöht im Februar 2027 und im Februar 2028 weiter. Eine EU-weite Mindeststeuer ist geplant, aber nicht beschlossen.
Die EU-Kommission hat im Juli 2025 vorgeschlagen, ab 2028 eine Mindeststeuer auf Liquids einzuführen: 0,12€ pro ml bis 15mg/ml Nikotin und 0,36€ pro ml für stärkere Liquids, jeweils alternativ ein Prozentsatz vom Preis. Im Rat ist dafür Einstimmigkeit nötig, das Europäische Parlament hat den Vorschlag im Juni 2026 abgelehnt. Der deutsche Satz liegt schon 2027 über den diskutierten Mindestwerten. Das Finanzministerium hat aber angekündigt, das Tabaksteuergesetz nach einer EU-Einigung erneut anzupassen.
2027 bringt für Dampfer noch eine zweite große Änderung. Ab 18. Februar 2027 greift die EU-Batterieverordnung für Geräte mit fest verbauten Akkus. Was das für Einweg Vapes bedeutet, steht in unserem Beitrag zum Einweg Vape Verbot 2027.
Gilt die Erhöhung auch für Shisha Tabak?
Ja, aber mit einem anderen Stichtag. Für Shisha Tabak und Pfeifentabak gelten die neuen Steuersätze erst ab 1. März 2027, zwei Monate nach Liquids und Zigaretten. Bis Ende Februar wendet der Zoll für Wasserpfeifentabak die bisherigen Sätze an. Alle Zahlen dazu stehen in unserem Artikel zur Tabaksteuer auf Shisha Tabak.